Mit oder ohne Männchen
Wandelnde Blätter können sich durch Jungfernzeugung fortpflanzen, fachsprachlich Parthenogenese. Aus unbefruchteten Eiern schlüpfen dabei Weibchen. Eine reine Weibchenkultur vermehrt sich also weiter, ohne dass je ein Männchen dazukommt.
Beim Großen Wandelnden Blatt ist das der Regelfall. Männchen treten dort so selten auf, dass die Angaben von einem Männchen auf 20 bis 500 Weibchen reichen. In einzelnen Zuchten schlüpften im Höchstfall über zehn Prozent Männchen.
Sind Männchen vorhanden, findet die Paarung etwa zwei bis vier Wochen nach der Häutung zum ausgewachsenen Tier statt. Die Männchen nehmen dabei die Vibrationen wahr, die stridulierende Weibchen mit ihren umgebildeten Fühlern erzeugen.
Eiablage
Die Ablage beginnt drei bis vier Wochen nach der letzten Häutung. Die Weibchen legen die Eier nicht gezielt ab, sondern lassen sie zu Boden fallen oder schleudern sie von sich. Im Terrarium landen sie also im Bodengrund.
| Beginn der Ablage | 3 bis 4 Wochen nach der letzten Häutung |
|---|---|
| Menge | 1 bis 3 Eier pro Woche |
| Gesamt je Weibchen | 100 bis 300 Eier, artabhängig |
| Ei Phyllium philippinicum | rund 5 mm lang, 3 mm breit |
| Ei Großes Wandelndes Blatt | fast schwarz, 8,5 mm lang, rund 34 mg |
Die Eier ähneln teils Pflanzensamen. Ihre Oberflächenstruktur mit Löchern, Rinnen und Borsten ist artspezifisch und gilt als sicherstes Bestimmungsmerkmal der Familie, oft zuverlässiger als das Aussehen des Tieres.
Konsequenz für die Haltung: wer nicht züchten möchte, bekommt trotzdem Eier. Bei 100 bis 300 Stück je Weibchen sollte vorher klar sein, wohin die Nachzucht geht.
Eier inkubieren
Die Eier werden aus dem Bodengrund gesammelt und getrennt vom Terrarium bebrütet. Zwei Wege sind gebräuchlich.
- Vermiculit Die Eier auf leicht angefeuchtetes Vermiculit legen. Leicht feucht, aber nie nass.
- Kleiner geschlossener Behälter Ein sehr kleines Gefäß, etwa ein Wasserglas, straff mit Klarsichtfolie verschlossen und nur gelegentlich kurz gelüftet.
Beiden gemeinsam ist das Ziel: gleichbleibende Feuchte ohne Staunässe. Zu nass bedeutet Schimmel, zu trocken bedeutet, dass die Eier eintrocknen. Ein sehr kleines Volumen ist dabei leichter stabil zu halten als ein großes.
| Art | Zeit bis zum Schlupf |
|---|---|
| Phyllium philippinicum | etwa 4 bis 5 Monate |
| Großes Wandelndes Blatt | etwa 8 Monate |
| Familie allgemein | 4 bis 8 Monate |
Die ersten Wochen
Frisch geschlüpfte Nymphen sind dunkel gefärbt und sehr klein. Sie brauchen sofort frisches, weiches Laub, weil sie an harten, alten Blättern kaum fressen können. Junge Brombeertriebe sind dafür besser geeignet als ausgewachsene Blätter.
Zwei Gefahren sind in dieser Phase größer als später. Erstens offene Wasserflächen, in denen die Tiere ertrinken, siehe den Hinweis unter Futterpflanzen. Zweitens grobe Sprühstöße: beim Großen Wandelnden Blatt gilt ausdrücklich, dass frisch geschlüpfte Nymphen nicht direkt besprüht werden dürfen und ein genau eingehaltenes Klima brauchen.
Ab hier folgt der normale Verlauf mit vier beziehungsweise sechs Häutungen, siehe Häutung und Entwicklung.
Quellen
- Wandelnde Blätter, Wikipedia
- Phyllium philippinicum, Wikipedia
- Großes Wandelndes Blatt, Wikipedia
- Haltung von Phyllium philippinicum, insektitaet.de
- Wandelndes Blatt im Terrarium, drta-archiv.de