Wandelnde Blätter

Wandelnde Blätter im Steckbrief

Eine Familie innerhalb der Gespenstschrecken, deren Tarnung so weit geht, dass selbst der Fraßrand am Blatt nachgeahmt wird.

Einordnung

Wandelnde Blätter bilden die Familie Phylliidae innerhalb der Ordnung der Gespenstschrecken (Phasmatodea). Sie sind also mit den bekannteren Stabschrecken verwandt, haben aber einen völlig anderen Weg der Tarnung eingeschlagen: nicht Zweig, sondern Blatt.

Mit Stand April 2026 sind 13 heute lebende Gattungen und 120 gültige Arten beschrieben. Rund die Hälfte davon kam erst seit 2016 dazu, die Familie wird also gerade taxonomisch neu sortiert. Wer ältere Bücher liest, findet deshalb Artnamen, die heute anders lauten.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet reicht von den Seychellen, Sri Lanka, Indien und den südlichen Provinzen Chinas über Südostasien bis nach Neuguinea, in den Nordosten Australiens und auf die Fidschi-Inseln. Es sind durchweg tropische und subtropische Lebensräume, was die Ansprüche an Wärme und Luftfeuchte im Terrarium erklärt.

Körperbau und Tarnung

Der Körper ist waagerecht verbreitert und flach, die Beine tragen seitliche Lappen, die wie kleinere Blätter wirken. Auf dem Körper zeichnen sich Strukturen ab, die Blattadern nachbilden, und die Ränder sind unregelmäßig eingekerbt, als hätte etwas daran gefressen. Fachsprachlich heißt das Blattmimese.

Die Färbung reicht je nach Art und Herkunft von Grün über Gelb und Braun bis ins Rötliche. Tagsüber sitzen die Tiere regungslos. Werden sie gestört, beginnen sie zu schaukeln, was einem Blatt im Luftzug entspricht und die Tarnung eher verstärkt als aufhebt.

Wandelndes Blatt zwischen Brombeerblättern, Körperform und Blattadern gehen ineinander über
Zwischen echten Blättern verliert sich die Silhouette fast vollständig.

Männchen und Weibchen unterscheiden

Der Unterschied ist deutlich und schon bei Nymphen ab den mittleren Stadien zu erahnen. Für die Haltung ist er wichtig, weil er darüber entscheidet, ob eine Zucht über Paarung oder über Jungfernzeugung läuft.

MerkmalWeibchenMännchen
Gestaltgrößer, breiter, deutlich blattähnlicherschmal und kleiner
Vorderflügellaubblattartig, bedecken meist den Hinterleibkurz
Hinterflügelfehlend oder verkümmertvoll entwickelt und durchsichtig
Fliegenneinja, kurze Flüge
Fühlerkurz, etwa Kopflänge, 9 Gliederdeutlich länger, 20 bis 26 Glieder, beborstet
Häutungen64

Die kurzen Fühler der Weibchen sind zu Stridulationsorganen umgebildet. Die Tiere erzeugen damit Vibrationen, die Männchen wahrnehmen können. Männchen tragen zusätzlich drei Punktaugen auf dem Scheitel.

Größe

Die Spanne innerhalb der Familie ist groß. Die kleinste bekannte Art, Microphyllium spinithorax, bleibt bei 24 Millimetern. Am oberen Ende stehen Weibchen von 105 bis 120 Millimetern, etwa beim Großen Wandelnden Blatt und bei einigen Arten der Gattung Cryptophyllium.

Die im Terrarium verbreitete Art Phyllium philippinicum liegt dazwischen: Weibchen werden 65 bis 98 Millimeter lang bei 29 bis 41 Millimetern Hinterleibsbreite, Männchen 55 bis 68 Millimeter. Eine Übersicht der gehaltenen Arten steht unter Arten für das Terrarium.

Lebensdauer

Adulte Tiere leben nicht lange. Bei Phyllium philippinicum erreichen Weibchen sechs bis neun Monate, im Ausnahmefall ein Jahr, Männchen bis zu vier Monate. Dazu kommt die Entwicklungszeit vom Schlupf bis zum ausgewachsenen Tier, die je nach Art vier bis acht Monate beträgt. Das Leben eines Wandelnden Blattes spielt sich also zu einem großen Teil im Nymphenstadium ab, siehe Häutung und Entwicklung.

Quellen